Wembley Arena, London/England, 5. November 2004
Ich bin noch nie geflogen mit dem Flugzeug und der Flug zum Konzert von Placebo sollte meine Premiere sein. Schließlich ist das ein sehr guter Grund zum fliegen. Am 04.11.04 am Flughafen (eher Flugplatz) von Altenburg hat man schon so einzelne merkwürdige Gestalten angetroffen. Im Wartebereich wurde hinter uns Placebo gehört und über das Konzert diskutiert. Ich wurde immer nervöser.

Noch am Donnerstag stöberte ich in diversen Musikshops nach der einen CD, die mir noch fehlte, "Placebo" das Album kostet mich hier nur 9.99 Euro. Gleich hab ich mir die Lieder angehört und versucht noch den Text zu lernen. Freitag morgen, schon kurz nach dem Aufstehen bin ich total nervös. Nach einer intensiven Sightseeing Tour im Regierungsviertel haben ich und meine Freundin im Covent Garden zu Mittag gegessen und am Nachbartisch hatte man meine Konzitickets entdeckt. Es war eine Tochter mit ihrer Mutter. Die sahen aus wie Fans von Alexander. Nun, die haben sich auch in Richtung Wembley bewegt. Krasser Unterschied.

So gegen 15:15 Uhr machten wir uns dann mal auf den Weg zur Arena. Ziemlich spät für Leute mit Stehplätzen, und das haben wir dann auch später bemerkt. Zuvor, natürlich (!) nochmal auf die Toilette im MCDonalds. Das gesamte Restaurant voll mit Cebo-Fans. Da fühlte ich mich wohl, auch wenn ich mit meinen blonden Haaren total aufgefallen war. In der Toilette traf ich ein Mädchen, das könnte die Zwilligsschwester von Brian Molko gewesen sein. Von der Seite.. sah sie tatsächlich so aus: Etwas klein geraten, Schwarze Haare bis zum Kinn, die Augen dunkel geschminkt und das Gesicht... perfekt! Sie schmunzelte, als ich ihr das auf englisch sagte. Erleichtert verlassen wir das McDonalds (Hey ich wusste nicht, dass es in England nen Lidl gibt!!! Der war direkt nebenan...) und liefen zur Arena. Tja, die Schlange war nicht so lang wie ich es erwartet habe. Wir setzten uns inmitten der englischen Fans und lauschten und beobachteten. Einmal dachte ich Marylin Manson läuft vorbei... Knuffig fand ich die Jungs, die sich geschminkt haben. Übertrieben fand ichs schon, sich bis zum Äußersten zu betrinken vor dem Konzert. Später wurde genau die eine, die wir vor der Arena stockbesoffen gesehen haben, ausm Saal gebracht. Blöd gelaufen. Die Schlange wurde länger und wieder kürzer, da einige sich falsch angestellt haben. Schnell noch das Wasser austrinken, und rein geht's in die Halle, nachdem wir ein fesches PINKES Armband bekommen haben. Ich hab leise gekreischt, als sie mir das um den Arm binden wollte.

In der Halle, abgetastet, alles strömt zum Fan Stuff, ich nicht. Wartend auf meine Freundin, die schon wieder auf Toi musste, stand ich da und schaute mich um jemand deutsches zu erkennen. Nix. Rein in den Stehbereich, 6. Reihe oder so. Net schlecht. Bis die erste Vorband auftrat, mussten wir sitzen. Solche Sitten hab ich noch nie bei einem Konzert erlebt. Ganz langsam füllten sich auch die Sitzplätze. Die erste Vorband war ganz in Ordnung, doch dann das warten bis zur zweiten Vorband. Dann ging das Licht aus. Und ich dachte Guildo Horn kommt auf die Bühne. Nun, öde und lahm fand ich diese zweite Band. Bei den letzten beiden Liedern hätte ich mich am liebsten weggedreht. Alle um uns herum sprangen zur Seite, als der seine Krawatte in unsere Richtung warf. Igitt! Dann war es vorbei und der große Abend konnte beginnen. Die Arena hatte sich fast vollständig gefüllt. Alle zückten ihre Kameras und das Licht ging aus.

Die Anfangsklänge von "Taste In Men" ertönten und ich hatte richtig getippt, dass sie das Lied als erstes spielen. Der Standing-Bereich bebte. Alle Arme gingen nach oben, als Steve auf die Bühne kam. Wie Brian auf die Bühne kam, hatte ich irgendwie verpasst, da ich nichts sah. Der war auf einmal da. Stefan vervollständigte das Trio und es wurde geschubst, gesprungen, gerockt, gesungen. Schon nach dem ersten Lied, hatte ich das Gefühl mir in die Hose gemacht zu haben, so hab ich geschwitzt. Bis zu "Black-Eyed" hab ich es wenigstens in die dritte Reihe vor geschafft. Mittlerweile stand ich nur zwischen Kerlen, die "I love you Stef" geschreit haben. Zu süß! Dann ein Lied, was Placebo noch nie live gespielt hat. Ich ahnte schon was kommt: "I Do". Den genauen Wortlaut von Brian weiß ich nicht mehr, auf jeden Fall könnten wir als die Fans ein Teil von der Entjungferung sein oder so. Das ganze Publikum hat gekreischt. Um es mal ehrlich zu sagen, Live klang das Lied garnet so schlecht. Trotzdem war es nicht das Wahre, und meiner Meinung nach hat man auch bei der Band bemerkt, dass das Lied nicht so die Sympathie trifft. Später mein Lieblingslied "Slave To The Wage", und was passiert? Ich musste auf Toi! Und man kann schlecht abrocken, wenn man aufs Klo muss. Schweren Herzens quäle ich mich aus dem Standing Bereich raus (wurde nebenbei noch von einem Jungen auf die Wange geküsst, weiß nicht wieso) und bemerke dann, dass ich zur falschen Seite rausbin. Ich dachte nun, dass ich um den gesamten Standing Bereich herumlaufen muss, um auf Toi zu kommen. Aber nein, der Standing Bereich war nur bis zur Hälfte gefüllt. Nebenbei singend "It's a race a race for rats a race for rats to die" rannte ich so schnell ich konnte raus. Zum Re-Make von "36 Degrees" war ich wieder drin, nur musste ich erstmal ganz hinten im Standing Bereich wieder anstellen. Ich hab mich dann entschieden hinten zu bleiben, denn da konnte ich mich richtig austun.

Vor dem Konzert war bei den Briten in der Runde große Diskussion wer denn nun der Special Guest sein konnte. Ich denke, Robert Smith hatte keiner erwartet. Ich mag The Cure und hab mich deshalb gleich doppelt so sehr gefreut. "Without You I'm Nothing" und "Boys Don't Cry" - Herrlich! Danach merkte ich, dass es bestimmt bald vorbei sein sollte. Ich hätte mir das Konzert am liebsten die ganze Nacht angetan. Teenage Angst unplugged hat mir persönlich nicht sehr gut gefallen. Dann, ich hatte schon garnicht mehr dran glauben wollen, aber der letzte Titel "Nancy Boy" und die Halle bebte! Sogar der Sitzbereich stand auf einmal. Ich habe nochmal alles gegeben und mit drei englischen Mädels im hinteren Standing Bereich voll abgerockt. Danach wusste ich, es war vorbei. Die Tränen standen mir schon in den Augen. Wie sich alle drei nocheinmal umarmten, ein zu schönes Bild. Das Licht ging an und alles strömte nach draußen. Auf dem Weg zur Tube gabs noch spottgünstig Poster von Händlern, natürlich musste ich da zugreifen.

Dafür, dass es mein erstes und vorerst ja letztes Cebo-Konzert war, bin ich nun richtig befriedigt. :D Mir kam das Konzert vor, wie ne dreivíertel Stunde nur. Trotzdem ich bin froh, dass ich dabei sein durfte, auch wenn mich die Karte umgerechnet 40 Euro gekostet hat. Nun hoffe ich, dass das nächste Jahr schnell vorbeigeht. Ich misse sie jetzt schon!

PS.: Für Schreibfehler haftet Placebo. Die machen mich immer wieder nervös, wenn ich über das Konzert schreibe!
Autor und © Nadja Wehr (TGirl)